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 Betreff des Beitrags: Mal was zum schmunzeln für die kommende Schonzeit
BeitragVerfasst: Fr 13. Feb 2015, 20:33 
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Wie ich vom Hechtvirus infiziert wurde

geschrieben von Robert Wieseler = @ Hechthalter

An Christi Himmelfahrt 1976 fing ich meinen ersten Hecht. Er war 72 cm lang und 5 Pfd. Schwer,
und er machte mich mächtig stolz.
Den hatte ich mich gar nicht getraut zu drillen weil ich Angst hatte es könnte etwas schief gehen.
Also drillte mein Onkel Hans , von dem später noch die Rede sein wird .
Nach 3 Jahren angeln endlich der erste Hecht , ich war 13 Jahre alt.
Es muss aber dazu bemerkt werden , wir gingen nur 4 - 5 Mal im Jahr angeln.
Viel zu wenig und ich fühlte mich ständig unterangelt.
Aber , wir fuhren damals noch zum campen an den Diemelsee , da konnte man dann 1 Woche angeln. Die Beute war natürlich Rotaugen und kleine Barsche. Halt was auf selbst gesuchte Rotwürmer aus Wessel`s Misthaufen und den auf nächtlicher Tauwurmsuche im Regen gefangenen Tauwürmern so biß.

Es war nun Juni und es hatte seit Ostern nicht mehr geregnet. Es schien ein Jahrhundertsommer zu werden.
Zwei Jahre zuvor hatte Rudi Carrell , wegen des verregneten Sommer`s noch „wann wird`s endlich wieder Sommer...“ gesungen.
Nun war endlich wieder richtig Sommer und die Planung für einen Angel und Badetag am Hennesee fiel somit leicht.
Ja so war das bei uns. Wir . d.h. Papa , mein Bruder Menno und ich , fuhren im Sommer früh morgens mit Onkel Hans in seinem hellblauen Kadett zum Angeln. Mama und Tante Meuß kamen dann um 9:30 Uhr mit Roland ,Heidrun und unserer Schwester Elke in unserem roten Simca nach. Sie brachten natürlich Badesachen und leckere Dinge zum picknicken mit.

Nachdem Onkel Hans und Papa abgesprochen hatten , am nächsten Sonntag zur Henne zum Angeln zu fahren, wurde schon alles für den großen Tag vorbereitet. Die Ruten und das sonstige Angelgerät
schon zuhause kontrolliert und fertiggemacht. Bloß keine Minute der so kostbaren Angelzeit durch montieren am Wasser verplempern.
Die 3 m Tele-Stipprute wurde mit Stachelschweinpose und 16er Häkchen montiert. Die Hechtrute, eine 2,10 m Vollglasrute von DAM mit einer da schon geschenkt bekommenen DAM uralt Stationärrolle . Diese hatte ich mit einer 30er Schnur bespulen lassen. Das war schon für unsere Verhältnisse eine super feine Schnur zum Hechtangeln. Onkel Hans , der zu dieser Zeit mein Angelgott war , hatte sein Hechgeschirr mit 50er Schnur bespult. Aber mir genügten ja auch die kleinen Hechte. Wenn nur mal einer beißt.
An meine 30er montierte ich einen recht feinen rot weißen Schwimmer, bei dem die Köfis auch mal die Chance hatten ihn zu bewegen . Ans Ende knotete ich den Karabinerwirbel , in den das Stahlvorfach mit dem Drilling eingehängt wurde.
Natürlich wurde alles in der Waschküche in einem Wassereimer austariert.
Der Tag kam näher und ich wurde immer nervöser.
Die Nacht vor dem Angeltag konnte ich fast gar nicht mehr schlafen. Das war besonders schlimm denn wir mussten schon um acht Uhr ins Bett. So wurde es eine lange Nacht und was hat man sich in Gedanken alles vorgestellt.
Endlich...es war 2:30 Uhr am 13.06.1976 . Papa kam in unsere Zimmer um uns zu wecken.
Der Treffpunkt mit Onkel Hans war um 3:00 Uhr vor unserem Haus ausgemacht.
Es wurde schnell etwas gefrühstückt.
Die Angelsachen waren schnell aus dem Keller geholt und auf dem Hof an der Hauswand abgestellt.
Da hörten wir auch schon den Kadett mit Onkel Hans in der stille der sauerländischen Nacht.
Schon bog er auf den Hof vor unserem Haus und hielt wie immer kurz vor der Haustür.
Er selbst grüßte beim Aussteigen wie immer mit „morrgen“.
Onkel Hans öffnete den riesigen Kofferraum des Kadett , nahm sein Angelgerät heraus.
Unsere drei Campingstühle kamen wie immer ganz nach unten auf seinen. Darauf wurde dann vorsichtig das ganze Angelgerät gelegt. Es durfte ja auch schließlich keine der so empfindlichen Stippposen zerbrechen oder gequetscht werden.
Klappe zu , alles einsteigen. Menno und ich kletterten auf die Rückbank Papa nach vorn und ab.
40 KM Autofahrt lagen vor uns. Die schaffte der Kadett , von Onkel Hans pilotiert in 35 – 40 Min ,wobei er meisterhaft das Triebwerk des Opel mit seinen knapp 50 PS in Szene setzte.
Nun angekommen am Hennesee , Höhe Enkhausen auf der Geraden.
Ich denke entsetzt wie viel Wasser schon wieder abgelassen wurde. Aber so findet an dieser Stelle auch jeder seinen Platz zum Angeln.
Auto fix geparkt und Sachen ans Wasser geschleppt. Das ist hier zum Glück nicht so weit wie an anderen Stellen.
Es ist jetzt 3:45 und schon recht hell. (Esgab da noch keine Sommerzeit)
Ich warte wo sich die Herrschaften platzieren , denn ich sitze nicht gern mittendrin.
Also setze ich mich 10 – 15 Meter als Rechtsaussen in Position.
Zunächst der Campingstuhl aufgeklappt.
Jetzt muss erst mal gestippt werden , um ein paar Köderfische zu fangen. Egal stippen macht auch so Spaß und damals durfte man auch nur mit einer Raubfischrute angeln.
Also ist die Telerute schnell fertig. Nun noch Maden von den „Alten“ schnorren , um etwas Paniermehl hatte ich mich schon gekümmert, und auf geht’s. Maden an den Haken und raus damit.
Mist , noch kein Rutenhalter fertig. Kurz mit dem Taschenmesser in den Gehölzsaum und zwei
Astgabeln geschnitten.
Zurück und in den Boden damit, aber gaaaanz leise. Sonst gibt’s Mecker vom Angelgott.
Die für die Hechtrute auch schon mal , aber noch ein Stück weiter nach rechts.
Endlich sitze ich im Campingstuhl. Alles ordentlich drumherum Maden , Paniermehlschüssel und der kleine Setzkescher vor mir im Wasser.
Etwas Paniermehl noch neben die Pose...und da zuckelt schon was. Schnell sind so ein paar
der damals noch allgegenwärtigen Rotaugen gefangen.
Nachdem nun auch Köderreserven den Setzkescher bevölkern , mache ich die Hechtrute fertig.
Die Gummibänder mit der die Steckrutenhälften fixiert waren werden in die Tasche gesteckt.
So jetzt das für mich damals Schwierigste, den Köderfisch aus dem Setzkescher holen ohne
das dieser gänzlich aus dem Wasser kommt. Den passenden Köfi ausgeguckt und dann mit der doch recht kleinen Hand eines 13-jährigen das handlange (erwachsenen Maß ) Rotauge greifen,nicht zu
fest drücken damit es keinen Schaden nimmt, Köfi in der Hand , Setzkescher mit der Anderen wieder ins Wasser und dann schnell den Drilling unter der Rückenflosse vorsichtig durchstechen.
Köfi ins Wasser.... alles ok er schwimmt. Nun vorsichtig ausgeworfen. Hinknien und abwarten was passiert. So jetzt ist das Blei durchgelaufen. Ich hatte den Gummistopper auf 2 m eingestellt.
Die Pose bewegt sich langsam zuckelnd. Prima denke ich, besser als bei den Sprudelflaschen von den Anderen.
Alles klar . Rollenbügel auf und Rute in die Astgabel gelegt.
Nun nur noch einmal prüfen ob die Schnur beim abziehen sich nirgends verheddert.
Funktioniert alles prima. Also zurück zum Stippen.
Inzwischen haben die anderen Drei auch ihre Hechtruten im Geschäft.
Stipprute raus und weiter gestippt. Beißt nix mehr. Nochmal ein bißchen Paniermehl füttern damit wieder los geht. Aber nix tut sich.
Inzwischen ist es schon 6:00 Uhr und plötzlich höre ich Papa : Da Hans Biß !
Im nächsten Moment sch... losgelassen ! Nachdem Onkel Hans seine Hechtrute reingeholt hatte
betrachteten wir das Rotauge. Ein paar dicke Bißspuren zeugten von einer Hechtattacke.
Aber was war passiert? Da es seitlich von links nach rechts trieb,hatte Onkel Hans den Rollenbügel
geschlossen um der 50er Schnur, die in dicken Kringeln eingefettet auf der Wasseroberfläche lag,
dauernd in das Stippgeschirr von Ihm und Papa trieb.
Nun hatte der Hecht gebissen und als er im Nu die Schnur gestrafft hatte , bei dem ersten Widerstand sofort losgelassen.
Nach der Aufregung bestückte er nun seine Rute wieder und brachte sie wieder ins Geschäft.
Ich ging zurück an meinen Platz , schaute zur Pose meiner Hechtrute und fand sie nicht.
Verdammt was war los, nun lief auch schon Schnur ab.
Ich ging schnell zu den Anderen und sagte: könnt ihr mal kommen , ich glaube jetzt habe ich einen Biß.
Schnell standen wir bei meiner Rute und Onkel Hans sagte : Nun nimm sie mal auf und wenn
er vom Schnur nehmen eine Pause gemacht hat und wieder nimmt dann schlägst du an.
Aber er machte keine Pause es verschwand langsam ein Meter nach dem anderen Schnur im Hennesee.
Mein Herz schlug wie wild.
Da kam der Befehl von Onkel Hans: Jetzt nimm mal langsam Fühlung auf , und wenn du was merkst dann schlag an. Ich schloß den Rollenbügel und fing langsam an zu kurbeln.
Es kam was kommen musste , ein Anhieb für ein Rotauge der zudem noch wegen meiner Nervösität
viel zu früh kam.
Fazit : Losgelassen , Köderfisch noch dran aber mit Bißspuren und tot.
Onkel Hans betrachtet sich das Rotauge und stellte fest , daß es der gleiche Hecht wie bei ihm gewesen sein musste . Die Zahnspuren seien ebenso groß wie bei seinem Biß.
Tja so ist es nun mal. Wieder nix,da beisst schon mal ein Hecht und dann...
Also wieder die Anköderprozedur durchgeführt und aufs Neue ausgeworfen.
Weiter gestippt aber es will nicht mehr so richtig.
Inzwischen ist es schon kurz nach neun Uhr und 22 Grad hat es bestimmt auch schon.
Da kommt auch schon oben an der Straße unser roter Simca angefahren mit dem Rest der Familien.
Roland ist schnell bei mir und wir versuchen noch ein wenig zu stippen. Er lernt schon und kann auch schon , aber er ist erst 9 und bekommt nächste Jahr erst seinen Jugendfischereischein.
Dann fährt er auch schon morgens früh mit.
Da sich beim Stippen nichts mehr tut , beschließen wir schwimmen zu gehen.
Die Kleider sind schnell ausgezogen und die Badehose an. Schnell noch die Stippe ans Ufer geholt.
Die Hechtrute lasse ich aber drin.
Im Sprint mit Roland nach links 20 Meter neben den Angeln von Menno ,Onkel Hans und Papa
ins Wasser. Herrlich warm das Wasser.
Inzwischen tummeln sich auch Heidrun und Elke mit uns im Wasser.
Da ruft Onkel Hans mir zu :“Entweder du badest oder du angelst ! Du hast schon wieder einen
Biß auf der Hechtrute!“
Er ging schon rüber zu meiner Angelstelle und ich nass hinterher.
Onkel Hans nahm nun das Heft in die Hand und somit meine Rute. Es war 9:45 und der Zauber ging los. Nun sah ich was ein richtiger Anhieb war und dann begann der Kampf. So was hatten wir bis dahin noch nie erlebt. Der Hecht zog gegen die Bremse von der ich vorher noch nicht wusste für was man die braucht. Ich sehe heute noch das Bild vor mir , wie der Hecht 50 Meter vom Ufer , für mich mitten im See, in voller Länge aus dem Wasser sprang.
Da sich inzwischen schon mehrere Zuschauer eingefunden hatten und einen weitergehenden
Halbkreis um den drillenden Onkel Hans mit uns gebildet hatten,ging ein Raunen durch die Menge.
Papa musste mehrere Leute ermahnen nicht zu dicht an den Drillenden Hans heranzutreten um ihm Spielraum bei seinen Aktionen zu lassen.
Doch dann war der Hecht in Keschernähe und zog im seichten Uferwasser seine ruhigen Runden.
Papa versuchte den Hecht mit unserem Kescher zu Keschern, aber er bekam den Hecht nicht hinein.
Der Kescher war viel zu klein. Da hatten wir sonst max. zweipfündige Barsche und Brassen mit gekeschert.
Der Kescher flog aufs Ufer und Papa versuchte zwischen den Hecht und das freie Wasser zu kommen und ging ins Wasser. Dann versuchte er den Hecht aufs Ufer zu werfen. Aber das klappte dann auch nicht.
Dann rief er zu Menno:“Lauf mal hinten zur Bucht, da sitzen noch Angler.Frag die ob sie ein Gaff haben.
Menno sprintete los und kam kurz darauf mit einem Gaff in der Hand zurück.
Papa nahm das Gaff und stieg ins Wasser. Als der Hecht von Onkel Hans passend gedrillt worden war , setzte Papa das Gaff und hob den Hecht zum Ufer schreitend hoch.
Es war nun 10:30 der ganze Kampf hatte nun 45 Minuten gedauert.
Nun kam Onkel Hans zu mir und klebte mir glücklich eine Ohrfeige und sagte :“Herzlichen Glückwunsch“
Für ihn war klar , das es nur mein Hecht sein konnte und er nur der Helfer , der dem Jungen zu seinem Hecht verhelfen muss.
Mein Angelgott halt. Danke Onkel Hans.
Ich war der glücklichste Junge auf der Welt.
Die Maße des Hecht : 125 cm lang , 25 Pfd.

Ein paar Tage später war ein Lokalredakteur der WR bei uns und schrieb den im Anhang zu sehenden Bericht.

Bild: Mit Hecht : Papa
der junge hinter dem Hecht : ich (Robert)
ganz rechts : Menno


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_________________
Viele Grüße und viel Erfolg

Robert
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 Betreff des Beitrags: Re: Mal was zum schmunzeln für die kommende Schonzeit
BeitragVerfasst: So 15. Feb 2015, 12:22 
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Beiträge: 6650
Hallo Robert,
danke für Deinen "Leidensweg" - irgend soetwas haben wir wohl alle durchgemacht, um so richtig verrückt zu werden. Hoffen wir auf ein neues, gutes Hechtjahr 2015! 8-)

_________________
Beste Grüße und ein dickes Petri vom Möhnesee!

Uli Beyer


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 Betreff des Beitrags: Re: Mal was zum schmunzeln für die kommende Schonzeit
BeitragVerfasst: Mo 16. Feb 2015, 17:46 
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Beiträge: 55
Wohnort: Plettenberg
Gern Uli,

wenn Euch Alle die Geschichte einen Moment unterhält , hat die Story doch schon seinen Zweck erfüllt 8-)
Es kommt ja jetzt die "langweilige Zeit" ...
Inspiriert dazu , hat mich aber Dein olles Foto mit dem Karpfen.

Ich bin sicher , auch 2015 werden wir wieder etliche Räuber zum Fototermin überreden ;)

V.G.

Robert

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Viele Grüße und viel Erfolg

Robert


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