Nun, mit einem habt ihr wohl Recht gehabt. Liegt der erste Zander erst mal im Netz, ist der Knoten geplatzt.
Ich war heute nach der Arbeit noch mal los. Mein Kumpel Henry wollte ein wenig später noch nachkommen. Ich marschierte gezielt auf die Stelle zu, an der ich in den letzten Tagen schon erfolgreich war. Auf dem Weg zu der Stelle sah ich bereits viele Angler am Wasser, ein Haufen Spinnangler waren unterwegs, die üblichen Ansitzangler waren auch zahlreich vertreten. Zum Glück war "meine" Stelle noch frei. 20 Meter links und rechts waren Spinnangler, mir gegenüber am anderen Ufer saß ein Ansitzangler.
Das folgende hat sich wirklich exakt so ereignet!
An "meiner Stelle" angekommen legte ich den Rucksack und den Kescher ab und machte die "Rocke" startklar. Ich montierte den kleinen grün/weißen Pulse Shad, mit dem ich schon das letzte mal erfolgreich war und warf das erste mal aus. In der dritten Absinkphase schlug es schon ein! Der Opa mir gegenüber flog förmlich vom Stuhl und ich hörte ein "Das kann doch wohl nicht wahr sein!" von anderen Ufer. Wenig später war der erste, wenn auch nur knapp maßige Zander des Tages gelandet.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen, erst klappt es 3 Jahre lang nicht mit den Zandern und dann gleich beim ersten Wurf. Eigentlich war der Tag so schon wieder absolut geil doch natürlich angelte ich weiter, nachdem ich den kleinen Zander wieder zurück in sein Element gelassen hatte.
Kurz darauf folgten ein Barsch und ein weiterer Zander, dieser war aber untermaßig. Der Ansitzangler von gegenüber war mittlerweile der Verzweiflung nahe, denn der Spinnangelkollege links neben mir hatte mittlerweile auch Erfolg. Er zog einen Ü-70 Zander an Land.
Ich experimentierte nun ein wenig mit verschiedenen Ködern herum, doch es tat sich erst mal nichts mehr. Dann viel mein Blick auf einen ziemlich komischen Gummifisch, den mir mein Kumpel Marco mal gegeben hatte. Das Teil ist extrem dünn, weiß mit rotem Kopf und hatte noch nie zuvor Wasser gesehen.
Das folgende Ereignis werde ich wohl niemals vergessen. Ich warf diesen komischen Gummifisch aus und schloss den Bügel. Während der Köder Richtung Grund marschierte, klingelte plötzlich mein Handy. Ich legte die Rute also auf meinem Rucksack ab und nahm das Gespräch entgegen. Es war mein Kumpel Henry, der nur wissen wollte, wo genau ich bin. Wir unterhielten uns vielleicht 1 Minute und er sagte, dass er in 3 Minuten bei mir wäre. Ich packte das Handy also wieder weg und nahm die Rute wieder in die Hand.
Mittlerweile hatte ich durch den starken Wind einen Schnurbogen, den ich nun erst mal einkurbelte. Ich hatte den Schnurbogen gerade aufgenommen und den Gummi nur ein ganz klein wenig am Boden bewegt, da Schlug es in der Rocke ein und wie! Der Fisch muss das ganze Telefonat lang neben dem am Boden liegenden Gummifisch gestanden haben und hat nur darauf gewartet, das sich das Ding noch ein einziges mal bewegt, so kam es mir auf jeden Fall vor!
Die leichte Rute war krumm und es fühlte sich an wie ein nasser Sack. Dann folgte ein schwerer Kopfstoß und ich wollte es einfach nicht glauben. Der Opa von Gegenüber stand sofort aus seinem Stuhl auf, ich hätte zu gern gewusst, was da in seinem Kopf vorging. Es begann ein heftiger Drill, den ich einem Zander so nie zugetraut hätte. Bisher hatte ich immer gehört und gelesen, dass Zander nicht so tolle Kämpfer sein sollen.
Dieser Fisch jedoch machte zunächst keine Anstalten nach oben zu kommen und bockte am Grund herum. Es folgten weitere schwere Kopfstöße und ich hoffte inständig, dass der mir nicht aussteigt. Als er dann das erste mal hoch kam, hoffte ich, dass er sich gleich auf die Seite packt, aber nichts war es. Wieder ging er in die Tiefe und zog nach links Richtung Gehölz. Ich sah schon schwarz, aber ich konnte ihn mit etwas mehr Druck dann doch bezwingen und sicher landen.
Zum Glück war Kumpel Henry mittlerweile auch da und so habe ich auch noch ein schönes Erinnerungsfoto bekommen.

Einfach nur schön, wie das nach 3 jähriger Zanderdurststrecke im Moment läuft. Das entschädigt echt für die unzähligen Misserfolge der letzten Jahre.
